Alessandro Cortese

Pflästerung Städtli Maienfeld

Rund 1'000 m² Pflästerung im historischen Städtli von Maienfeld erneuert, gemeinsam mit der Stadt. Ortsbildschutz, Kabelblöcke, Archäologie an der Stadtmauer und ein fixer Endtermin.

Berufliche Erfahrung

Berufliches Projekt beim Tiefbauamt Graubünden, Bezirk 1 Chur. Grundlage sind meine eigenen Protokolle vom Fahrversuch im Februar bis zur letzten Bausitzung im Juli 2017. Namen von Beteiligten, Kosten und Angaben zu einzelnen Grundstücken werden nicht genannt.

Ausgangslage

Die Luzisteigstrasse führt als Kantonsstrasse mitten durch das Städtli von Maienfeld. Die Pflästerung war in schlechtem Zustand. Weil das Städtli im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder (ISOS) steht, kam ein anderer Strassenbelag nicht in Frage: Die Pflästerung musste wieder als Pflästerung instand gesetzt werden. Für das Tiefbauamt war das keine alltägliche Arbeit.

Projekt in Zahlen

Fläche rund 1’000 m² Pflästerung, gemeinsam mit der Stadt Maienfeld
Bauzeit 19. April bis 14. Juli 2017, in zwei Etappen
Neuer Aufbau 11 cm Pflasterstein dicht ausgefugt, 5–7 cm Splittbeton, 8 cm Drain-Tragschicht, 4 cm Feinplanie
Verkehr Strasse gesperrt, Umleitung für Autos und Postauto

Vorgehen

  • Fahrversuch vor Baubeginn. Mit dem Kurs-Postauto haben wir die Umleitung getestet. Ergebnis: Eine Richtung über die gleiche Umleitung wie der Individualverkehr, die andere über einen eigenen Weg zum Bahnhof; eine Haltestelle wurde für die Bauzeit aufgehoben.
  • Zwei Etappen. Rathaus und Kirche blieben jederzeit erreichbar, Fussgänger und Velos wurden durch die Baustelle geführt.
  • Pflästerung aufbereitet. Die alte Pflästerung wurde ausgebaut, aufbereitet und wieder verlegt. Die Musterfläche der Bogenpflästerung hat die Denkmalpflege abgenommen.
  • Schächte. Alle Schachtdeckel wurden ersetzt, die Kontrollschächte ausgepflästert.

Herausforderungen aus den Bausitzungen

  • Feuchte Keller. Anwohnende meldeten feuchte Kellerwände und verlangten Massnahmen gegen versickerndes Oberflächenwasser. Wir haben in der ersten Etappe mittig eine Sickerleitung eingebaut.
  • Zwei Unternehmer in einer Gasse. Parallel zur Pflästerung verlegte das Elektrizitätswerk Kabelblöcke und ein privater Bauherr baute eine Unterführung quer durch den Projektperimeter. Bauprogramme, Etappen und Werkleitungskonflikte mussten laufend abgestimmt werden, die Statik der Unterführung prüfte die Abteilung Kunstbauten.
  • Archäologie an der Stadtmauer. Beim Durchgang zur Unterführung kam historische Mauersubstanz zum Vorschein, ein Torkomplex im Zusammenhang mit der Stadtmauer. Damit der Archäologische Dienst ihn dokumentieren konnte, haben wir die Sperrung um zwei Wochen verlängert und das Bauprogramm angepasst.
  • Ehrliche Erwartungen. Eine Pflästerung ist nicht für viel Verkehr gebaut. In der Information an die Anwohnenden haben wir deshalb festgehalten, dass ihre Dauerhaftigkeit trotz modernem Aufbau nicht garantiert werden kann.

Leitungsgraben in der Gasse mit neuen Kabelschutzrohren, im Hintergrund die Baustelle

Archäologische Untersuchung in der Baugrube: freigelegte historische Mauern, darüber provisorisch geführte Leitungen

Meine Rolle

Als örtliche Bauleitung des Tiefbauamts habe ich den Fahrversuch und die Bausitzungen organisiert, geleitet und protokolliert. Ich habe Unternehmer, Stadt, Polizei, Postauto, Denkmalpflege, Archäologie und Werkeigentümer koordiniert, Regiearbeiten und Nachträge geprüft und die Information der Anwohnenden begleitet.

Ergebnis

Die Pflästerung des Tiefbauamts war am 13. Juli 2017 fertig, ab dem 18. Juli war das Städtli wieder befahrbar. Die Arbeiten der Stadt an Vorplätzen und Rathausplatz liefen noch bis Ende August.

Archäologische Grabung beim Durchgang: Baugrube mit Mauerresten, oben die provisorisch gesicherten Leitungen