Alessandro Cortese

Instandsetzung Calfreisentobelbrücke

Hohlkastenbrücke vor dem Tunnel Calfreisen instand gesetzt, unter Verkehr. Aufbeton auf der Fahrbahnplatte, neue Lager, verstärkte Trägerstege und ein neuer Kabelblock für die Werkleitungen.

Berufliche Erfahrung

Berufliches Projekt beim Tiefbauamt Graubünden, Erhaltung Kunstbauten. Grundlage sind meine eigenen Protokolle der Werkleitungssitzung und der Bausitzungen von März bis Juli 2017. Namen von Beteiligten und Kosten werden nicht genannt.

Ausgangslage

Die Calfreisentobelbrücke liegt an der Schanfiggerstrasse zwischen Chur und Arosa, direkt vor dem Tunnel Calfreisen. Die Strasse ist die einzige Zufahrt ins Schanfigg. Die Hohlkastenbrücke sollte instand gesetzt werden, ohne die Strasse zu sperren. Auf und unter der Brücke liegen Kabelblöcke für Telekommunikation und Strom.

Was gemacht wurde

  • Belag und Abtrag. Belag entfernt, Betonoberfläche mit Hochdruckwasserstrahlen abgetragen. Der Abtrag zeigte nur geringe Betonkorrosion.
  • Aufbeton auf der Fahrbahnplatte. In zwei Etappen, jeweils eine Fahrbahnseite, neu bewehrt und mit Dübeln an die bestehende Platte angeschlossen.
  • Trägerstege verstärkt. Arbeiten im Innern des Hohlkastens.
  • Lager ertüchtigt. Die Brücke wurde um höchstens 15 mm angehoben, die Lager aufgenommen und Gleitlager eingebaut.
  • Randbereiche. Neue Kordons, Flügelmauern und Schleppplatten, danach Abdichtung, Randabschlüsse und Belag.
  • Arbeitsgerüst. Ein unter die Brücke gehängtes Gerüst machte Arbeiten an Unterseite, Lagern und Leitungen möglich, ohne die Fahrbahn zu belegen.

Unter der Brücke: Hängegerüst und Kabelschutzrohre, die an der Unterseite der Fahrbahnplatte aufgehängt sind

Meine Rolle

Als örtliche Bauleitung des Tiefbauamts habe ich die Werkleitungssitzung und die Bausitzungen geleitet und protokolliert. Dazu gehörten Bauprogramm und Etappen, Ausführungskontrollen, das Aufbieten von Vermessung und Labor, Regie- und Nachtragsleistungen, Ausmass und die Koordination der Werkeigentümer.

Herausforderungen aus den Bausitzungen

  • Mehr Belag als erwartet. Auf der Brückenplatte lagen bis zu 20 cm Belag. Den Mehraufwand haben wir mit dem Unternehmer bilateral geklärt.
  • Höhen. Die neue Fahrbahnplatte liegt höher als die anschliessende Strasse. Übergang, Schächte und Entwässerung des Vorplatzes mussten angepasst werden.
  • Tunnelportal. Vor Baubeginn wurde der Steinschlagschutz über dem Tunnelportal abgeschlossen.
  • Verkehr. Halbseitiger Verkehr mit Lichtsignalanlage. Ab dem 14. Juli 2017 war die Brücke wieder zweispurig befahrbar; im Sommer liefen nur Nebenarbeiten mit wenig Einfluss auf den Verkehr, Abdichtung und Belag waren für Ende August geplant.
  • Qualität. Prüfung der Dübel, Betonrezeptur mit dem Strassenbaulabor abgestimmt, Nachbehandlung des Aufbetons. Alle bis Juli ausgeführten Prüfungen waren erfolgreich; die Haftzugprüfungen am Aufbeton standen noch aus.

Lager auf der Widerlagerbank nach der Ertüchtigung

Bezug zum Netzbau

Die Werkleitungen waren der heikelste Teil. Der Strom-Kabelblock unter der Brücke musste ausser Betrieb genommen werden, die Leitung lief während der Bauzeit provisorisch über das Arbeitsgerüst. Tiefbauamt und Elektrizitätswerk wünschten einen neuen Kabelblock mit vier Kabelschutzrohren.

Ursprünglich war er bergseitig neben dem bestehenden Telekom-Kabelblock geplant. Nach einem Augenschein haben wir ihn auf die Talseite gelegt. Das ersparte zwei Querungen der Telekomleitungen und eine Grabenquerung im Tunnel. Zudem bleiben die Leitungen unberührt, wenn die benachbarte Lehnenbrücke später instand gesetzt wird. Die Rohre wurden durch Kernbohrungen in den Widerlagern geführt, an den ersten Tunnelschacht angeschlossen und ausserhalb der Brücke einbetoniert.

Für diesen Abschnitt fehlte ein Werkleitungsplan; wir haben ihn beim Werk eingefordert. Solche Entscheide, wo eine Leitung liegt und was das für spätere Bauvorhaben bedeutet, prägen heute meine Arbeit im Glasfaserausbau.

Neue Kabelschutzrohre beim Widerlager, daneben ein Einlaufschacht