Berufliches Projekt beim Tiefbauamt Graubünden, Kunstbauten und Bauwerkserhaltung. Grundlagen: das öffentlich aufgelegte Auflageprojekt (technischer Bericht, August 2017) und meine eigenen Bausitzungsprotokolle von März bis Oktober 2018. Namen von Beteiligten und Kosten werden nicht genannt.
Ausgangslage
Die Plessurbrücke Litzirüti liegt an der Schanfiggerstrasse zwischen Langwies und Litzirüti, der einzigen Strassenverbindung nach Arosa. Die Natursteinbogenbrücke wurde 1889 gebaut und 1938 letztmals instand gesetzt. Strasse und Brücke waren eng und unübersichtlich und entsprachen weder bei Kurvenradien noch bei der Breite den heutigen Anforderungen. Die Strasse ist im Inventar der historischen Verkehrswege als Weg von regionaler Bedeutung mit viel Substanz verzeichnet.
Projekt in Zahlen
| Strassenkorrektion | rund 250 m, Fahrbahn neu 6.00 m plus Kurvenverbreiterungen |
| Brücke | Fahrbahnbreite neu 8.50 m |
| Höhenlage | rund 1400 m ü. M. |
| Oberbau | 19 cm Belag auf mindestens 90 cm Fundationsschicht, auf der Brücke 17 cm |
| Verkehr | rund 2’160 Fahrzeuge pro Tag (DTV 2014), Spitzen über 4’600 |
Lösung
- Neue Fahrbahnplatte über dem alten Bogen. Die Platte wurde über die bestehenden Kämpferfundamente hinaus geführt und mit Mikropfählen direkt in den Baugrund fundiert. So erhielt das historische Fundament keine Zusatzlast.
- Verbreiterung beidseitig. Unterwasserseitig mit einer natursteinverkleideten Stützmauer, oberwasserseitig mit einer Mauerkonsole von rund 1.50 m Auskragung.
- Mauern im Ortsbild. Talseitige Stützmauern als natursteinverkleidete Schwergewichtsmauern, im Schutz einer Baugrubensicherung erstellt.
- Entwässerung. Wasserschalen, Einlaufschächte und kombinierte Sicker- und Transportleitungen, Einleitung in die Plessur nach Nachweis.
Meine Rolle
Als örtliche Bauleitung des Tiefbauamts habe ich von der Startsitzung bis zur Teilabnahme die Bausitzungen geleitet und protokolliert. Dazu gehörten Bauprogramm und Termine, Planlieferungen, Ausführungskontrollen, Absteckungen zur Qualitätssicherung, die Werkleitungen in der Brücke sowie die Abstimmung mit Fischerei, Wildhut und Gemeinde.
Bauen im Gewässer und unter Verkehr
- Fischerei und Wildhut. Arbeiten am Fundament des Lehrgerüsts nach Auflagen der Fischerei: Abfischen vor Arbeitsbeginn, befristete Arbeitsfenster im Gewässer, Abstimmung der Wasserrückgabe mit dem Kraftwerksbetreiber.
- Schneeschmelze. Der Wasseranfall während der Schneeschmelze war der kritische Punkt im Bauablauf.
- Verkehr. Lichtsignalanlage während der Bauzeit; im Sommerfenster an Wochenenden und ausserhalb der Arbeitszeiten zweispurige Verkehrsführung, Rücksicht auf Anlässe in Arosa.
- Qualität. Erstprüfungen und Produktnachweise vor Baubeginn, Musterflächen für die Natursteinmauern, Prüfpfähle für die Mikropfähle vorgängig gesetzt und geprüft.
Ergebnis
Geplant waren zwei Bauphasen in den Jahren 2018 und 2019. Mit einem überarbeiteten, beschleunigten Bauprogramm des Unternehmers sollten die Arbeiten bereits 2018 abgeschlossen werden. Die Brückenplatte wurde am 21. September 2018 betoniert, die Belagsarbeiten folgten im November, die Teilabnahme war für den 27. November 2018 angesetzt. In den Bausitzungen im Herbst wurde das Bauprogramm jeweils als eingehalten festgehalten.


