Berufliches Projekt beim Tiefbauamt Graubünden. Die technischen Angaben stammen aus dem öffentlich aufgelegten Auflageprojekt (technischer Bericht, Dezember 2011), das ein Ingenieurbüro im Auftrag des Tiefbauamts erarbeitet hat. Meine Rolle umfasste Ausführungsprojekt, Submission und Bauleitung.
Ausgangslage
Die Schanfiggerstrasse verbindet Chur mit dem Schanfigg und Arosa; der gesamte Verkehr ins Tal ist auf sie angewiesen. Im Abschnitt Nasstobel – Brandacker, auf rund 760 m ü. M. am Südhang über der Plessur, war die Strasse schmal und unübersichtlich, der nicht frostsichere Oberbau beschädigt. Die alte Nasstobelbrücke genügte den Anforderungen an Geometrie und Tragsicherheit nicht mehr.
Projekt in Zahlen
| Baulänge | rund 290 m (km 2.41 bis 2.70) |
| Fahrbahn | neu mindestens 6.00 m plus Kurvenverbreiterungen |
| Längsgefälle | 7.5 bis 11.35 % |
| Oberbau | 19 cm Belag auf mindestens 80 cm Fundationsschicht |
| Verkehr | rund 2’200 Fahrzeuge pro Tag (DTV 2010), Spitzen über 4’600 |
| Kosten gemäss Auflageprojekt | rund 7.5 Mio. Franken (Preisbasis 2011, inkl. Landerwerb und Nebenkosten) |
Lösung
- Verbreiterung nur talseitig. Statt in die Felswand einzugreifen, wurde die Strasse über die ganze Länge mit einer Lehnenkonstruktion zum Tal hin verbreitert. Bergseitige Wandmauern waren nicht nötig.
- Neue Nasstobelbrücke. Ausserhalb der bestehenden Brücke entstand eine neue Brücke mit grösserem Kurvenradius; die Linienführung wurde gestreckt.
- Fundation auf Fels. Der Untergrund besteht aus Bündnerschiefer mit teils mehreren Metern Hangschutt. Die Lehnenbrücke sollte gemäss geologischen Abklärungen grösstenteils auf Fels gegründet werden.
- Entwässerung neu geordnet. Weil das Wasser wegen der Lehnenbrücke nicht mehr über die Schulter abfliessen konnte, wird es in Rigolen gefasst und grösstenteils ins Nasstobel abgeleitet. Das schont die steilen, wenig stabilen Hangschuttflächen darunter.
Bauen unter Verkehr
Ausgeführt wurde das Projekt von Herbst 2013 bis November 2016 (gemäss öffentlicher Ausschreibung und Referenzangabe der Bauunternehmung).
Die Strasse ist die einzige Zufahrt ins Schanfigg. Das Projekt sah deshalb den Ausbau unter Verkehr vor, in mehreren Jahresetappen, mit Lichtsignalanlage oder Handregelung und möglichst freier Durchfahrt an Wochenenden und in der Hauptreisezeit. Installationsflächen gibt es an der Felsflanke kaum; vorgesehen waren temporäre Installationsplattformen.
Bezug zu meinen Kompetenzen
Kunstbau, Geologie, Entwässerung und Verkehrsführung mussten an einer engen Stelle zusammenpassen. Als Bauleiter heisst das: Etappen planen, Unternehmer und Fachplaner koordinieren, Qualität von Bewehrung und Beton prüfen und die Zufahrt für ein ganzes Tal offen halten.


