Berufliches Projekt beim Tiefbauamt Graubünden, Bezirk 1 Chur. Grundlage sind meine eigenen Bausitzungsprotokolle von April 2020 bis Juni 2021. Namen von Beteiligten, Kosten und Angaben zu einzelnen Grundstücken werden nicht genannt.
Ausgangslage
Die Tschiertscherstrasse führt von Chur nach Tschiertschen. Bei Ricaldei verläuft sie am steilen Waldhang auf einer alten Lehnenbrücke, in einem Gebiet mit Hangbewegungen. Die Brücke wurde abgebrochen und durch eine neue ersetzt, ohne die Strasse für längere Zeit zu sperren.

Was gemacht wurde
- Baupiste und Rodung. Zuerst eine Baupiste unterhalb der Brücke; die Rodung war mit dem Forst abgestimmt.
- Abbruch im Schutz der Baugrubensicherung. Die Baugrubensicherung mit bis zu drei Ankerreihen musste stehen, bevor die alten Stützen fielen. Die Anker wurden geprüft, an einzelnen Stellen hat die Projektleitung zusätzliche Anker angeordnet.
- Pfeiler in Schächten. Die neuen Pfeiler stehen in Schächten bis auf tragfähigen Grund. Weil der anstehende Fels spröd und schiefrig war, wurde der Schachtbeton nicht weggelassen.
- Brückenplatte in zwei Etappen. Schürzen, Platte und Kordon etappenweise, die Ausschalfristen über Würfelprüfungen nach drei Tagen bestimmt.
- Wandmauer ersetzt. 2021 kam eine neue bergseitige Wandmauer dazu, danach Werkleitungen, Randabschlüsse und Belag.

Meine Rolle
Als örtliche Bauleitung des Tiefbauamts habe ich in rund 23 Bausitzungen den Bau von der Startsitzung bis zur Abnahme geführt und protokolliert. Dazu gehörten Bauprogramm und Nachtsperrungen, Ausführungskontrollen, die Überwachung durch den Vermesser, Nachträge und Regiearbeiten, die Teuerungsabrechnung und die Kreditaufstockung für die Mehraufwendungen.
Herausforderungen aus den Bausitzungen
- Pandemie beim Baustart. Baubeginn im April 2020, kurz nach Ostern. Sitzungen fanden anfangs im Freien und mit höchstens fünf Personen statt.
- Hang in Bewegung. Die bestehende Stützmauer wurde ab Juni 2020 vermessen. Unter ihrem Fundament war Erdreich abgesackt, wir haben es mit Beton unterfangen. Die Fixpunkte zeigten, dass die bergseitige Wandmauer um mehrere Zentimeter gekippt war. Ihr Ersatz wurde zwingend, das Projekt dafür entstand über den Winter.
- Mehr Aufwand als ausgeschrieben. Geologisches Überprofil bei der Baugrubensicherung, mehr Beton in den Schächten wegen Ausbrüchen, grössere Spannweiten beim Lehrgerüst. Diese Mehraufwendungen habe ich laufend geprüft und dokumentiert.
- Wintereinbruch. Ende Oktober 2020 schneite es bereits. Damit Schneeräumung und Schutz der Betonbauteile möglich waren, wurde vor dem Winter eine Tragschicht eingebaut und im Winter befahren. So musste 2021 nicht der ganze Belag wieder abgebrochen werden.
- Langfristige Überwachung. Zum Abschluss wurde eine Nullmessung mit Nivellementbolzen vorgesehen, damit sich künftige Hangbewegungen messen lassen.

Ergebnis
Ende Oktober 2020 war die Brückenplatte fertig betoniert, das Bauende 2020 war auf den 18. Dezember gesetzt. 2021 folgten ab März Wandmauer, Werkleitungen und Belag, die Betonarbeiten waren Ende Juni abgeschlossen, die Abnahme im August 2021 angesetzt. In den Protokollen sind die leistungsfähigen Baumeisterarbeiten und die sauberen Sichtbetonflächen von Kordon und Pfeilern ausdrücklich festgehalten.


