Alessandro Cortese

Fläscherstrasse mit Kleintiermauer

Ausbau der Verbindungsstrasse vom Dorfrand Fläsch bis zur Rheinbrücke auf rund 800 m. Erstmals beim Tiefbauamt Graubünden eine Kleintiermauer für Frösche und andere Amphibien umgesetzt.

Berufliche Erfahrung

Berufliches Projekt beim Tiefbauamt Graubünden, Bezirk 1 Chur. Die technischen Angaben stammen aus dem öffentlich aufgelegten Auflageprojekt (technischer Bericht, Februar 2014), das ein Ingenieurbüro im Auftrag des Tiefbauamts erarbeitet hat. Die Fotos sind eigene Baustellenaufnahmen.

Ausgangslage

Die Fläscherstrasse verbindet Fläsch über die Rheinbrücke mit Bad Ragaz. Zwischen dem Dorfrand und der Rheinbrücke waren Asphalt- und Betonbeläge in schlechtem Zustand, die Strasse zu schmal und die Entwässerung mangelhaft. Die Strecke führt durch Landwirtschaftsland und am Waldrand entlang, über den Schuttfächer eines Bachs und die Schwemmebene des Rheins. Auf der ganzen Länge gibt es Wildwechsel; am Fuss der Strassenböschung bilden sich bei langem Regen Wasserlachen.

Projekt in Zahlen

Ausbaustrecke rund 800 m, vom Dorfrand Fläsch bis zur Rheinbrücke
Fahrbahn neu 5.80 m, Bankett wanderweggerecht rund 80 cm
Verkehr rund 420 Fahrzeuge pro Tag (2006); nationale Veloroute und regionale Bikeroute
Erdbau rund 5’100 m³ Abtrag, 900 m³ Schüttung, 1’000 m³ Fundationsmaterial
Landerwerb rund 1’785 m², vorübergehend beansprucht rund 7’900 m²
Kostenvoranschlag Auflageprojekt rund 1.6 Mio. Franken, inklusive Landerwerb und Nebenkosten

Lösung

  • Verbreiterung auf einer Seite. Die Strasse folgt dem bestehenden Trassee und wurde gegen Süden verbreitert. Die historische Linienführung bleibt erhalten.
  • Entwässerung. Im ersten Abschnitt sammeln Einlaufschächte das Wasser und leiten es über die Gemeindeleitung in den Aubach. Auf der restlichen Strecke versickert es über die Schulter im Wiesland, nach Zulässigkeitsprüfung ohne Behandlungsanlage.
  • Stützmauer am Projektende. Beim Bach vor der Rheinbrücke eine natursteinverkleidete Schwergewichtsmauer.
  • Bauen unter Verkehr. Einspurige Verkehrsführung mit Lichtsignal oder Handregelung, Fundation und Tragschichten wechselseitig eingebaut, Deckbelag später.

Kleintiermauer für Amphibien

Zum ersten Mal beim Tiefbauamt Graubünden habe ich eine Kleintiermauer umgesetzt, zum Schutz von Fröschen und anderen Amphibien. Die Strasse liegt zwischen Wald, Feldern und Bächen; wandernde Tiere geraten sonst auf die Fahrbahn.

  • Leitwand aus Betonelementen. Eine niedrige Mauer entlang der Strassenböschung, oben mit Überhang, damit die Tiere nicht darüber klettern.
  • Durchlässe. Die Leitwand führt die Tiere zu Durchlässen unter der Strasse.

Kleintiermauer im Bau: Betonelemente der Leitwand auf Kiesbett, daneben der Bagger, im Hintergrund die abgesperrte Strasse

Ende der Leitwand am Durchlass: das Betonelement mit Öffnung führt die Tiere unter der Strasse durch

Meine Rolle

Beim Tiefbauamt war ich für das Projekt von der Auflage über das Ausführungsprojekt und die Submission bis zur Bauleitung zuständig, einschliesslich der Umsetzung der Kleintiermauer. Laut Auflageprojekt waren zudem eine Meteorleitung der Gemeinde zu verlegen und vor Baubeginn Sicherheitsmassnahmen bei einer Hochspannungsleitung und einer Gasleitung an der Rheinbrücke festzulegen.

Neue Strassenentwässerung: Sickerleitung mit Filtervlies und Kies neben der bestehenden Fahrbahn, im Hintergrund der Dorfrand von Fläsch

Bezug zu meinen Kompetenzen

Eine Strassenkorrektion im Landwirtschaftsgebiet, ergänzt um ein Element, das beim Tiefbauamt neu war: Strassenbau, Entwässerung und Naturschutz in einem Projekt.